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Kartografie · 29. August 2026 · Prüfprotokoll

Der
Zulässigkeits­raum

Wer eine zufällige Instanz erzeugen soll, unterliegt mit dem Format immer einer Limitation. Regeln können Zufall nie anreichern, nur eingrenzen. Die Frage ist, wie viel Freiheit danach übrig bleibt — und ob sich in dem, was übrig bleibt, die Härte versteckt.

3-SAT, n = 60, an der Schwelle · 5304 gezogene Bits · 1 Feld ≈ 40 Bit
44.6 % Formatzwang
vom Format verworfen — 2364 Bit blosse Umbenennung — 332 Bit echt frei — 2608 Bit
Befund 1 · gehalten

Das Bitbudget

Ein naiver Generator zieht für jede Instanz eine bestimmte Zahl Bits. Ein grosser Teil davon erzeugt keine gültige Instanz — das Format wirft ihn weg. Ein zweiter Teil erzeugt zwar gültige, aber ununterscheidbare Instanzen: blosse Umbenennung von Variablen und Vorzeichen. Was danach bleibt, ist der Raum, in dem sich der Zufall tatsächlich bewegt.

KlasseRohbitsgültigSymmetrieecht freiVerwurf

Der Verwurf liegt bei allen vier Klassen zwischen 44 und 58 Prozent. Rund die Hälfte des Zufallszugs ist keine Freiheit, sondern Formatzwang. Das ist die Limitation, und sie ist eine messbare Grösse.

Prüfstand

Fünf Kandidaten für ein Strukturmass

Gesucht war ein Mass, das zwischen zufällig erzeugten Problemklassen unterscheidet und die Härte trägt. Jeder Kandidat wurde gegen eine Kontrolle gestellt, die ihn kippen kann.

MASS 01

Symmetrieanteil

verworfen
Behauptung: der Anteil des gültigen Raums, der blosse Umbenennung ist, trennt die Klassen. Gemessen an der jeweiligen Schwelle: 3-SAT 11.3 %, 3-XORSAT 51.9 %.

Die beiden Klassen wurden bei verschiedenem m verglichen — 3-SAT bei 256 Klauseln, XORSAT bei 55. Bei gleichem m verschwindet der Kontrast: 11.3 gegen 13.7 Prozent. Der Symmetrieanteil misst die Constraint-Dichte, nicht die Klasse.

Symmetrieanteil gegen Klauselzahl, n = 60. Die Kurven laufen parallel; der scheinbare Klassenunterschied war der Abstand auf der x-Achse.
MASS 02

Annealed-Gap

verworfen
Behauptung: der Abstand zwischen erstem Moment und wahrer Schwelle misst, wie stark der Lösungsraum verklumpt — und damit die Härte. Dichteunabhängig, also nicht wie 01 konfundiert.

Über 13 Klassen gerechnet. Der Gap trennt polynomiell Lösbares nicht von NP-hartem: 3-XORSAT liegt bei 1.089 und damit mitten zwischen 4-SAT und NAE-3-SAT. 4-XORSAT liegt bei 1.024, unter 5-SAT. Das Mass beschreibt Verklumpung, nicht Berechenbarkeit.

Erste Reihe: polynomiell lösbar. Zweite: NP-hart. Die Bereiche überlappen vollständig.
MASS 03

Redundanz ρ

geeicht
ρ = (effektive unabhängige Belegungen) / |S|. Man zählt, welcher Anteil aller möglichen Constraints mit der Lösungsmenge verträglich ist, und rechnet zurück, wie vielen rein zufälligen Belegungen das entspräche. ρ = 1 heisst: die Lösungsmenge ist von Rauschen ununterscheidbar.

Das Mass ist auf |S| und auf die Selektivität des Constraints normiert und braucht keinen Clustering-Algorithmus — es liest die Struktur allein aus der Verträglichkeitsgeometrie ab.

Eichpunkt. NAE-3-SAT hat eine exakte Komplementsymmetrie: mit x ist immer auch ¬x Lösung, und beide töten dieselben Constraints. Die Vorhersage ist deshalb ρ = 0.500 exakt. Gemessen: 0.500.

ρ gegen Lösungszahl, doppelt logarithmisch, n = 16. Jede Klasse fällt als Gerade — der Zerfall ist ein Potenzgesetz.
MASS 04

Zerfallsexponent β

reduzierbar
ρ ∝ |S|⁻ᵝ. Die Ordnung der Klassen nach β ist bei n = 14, 16 und 18 identisch, die Konfidenzintervalle benachbarter Klassen überlappen nicht.

Reproduzierbar ist sie. Eigenständig nicht: β ist zu 90 Prozent durch die Selektivität eines einzelnen Constraints erklärt (R² = 0.904). Das Mass ist weitgehend eine andere Schreibweise für p_kill.

Und es trennt nicht: 1-in-3-SAT ist NP-hart und liegt bei 0.794, über 2-SAT (polynomiell, 0.740). Dieselbe Klasse hat zuvor schon drei andere Trennungen gekippt.

β bei n = 18 mit Bootstrap-95-%-Intervallen. Die Ordnung ist scharf, die Komplexitätsklassen liegen ineinander.
MASS 05

Residuum nach Abzug von p_kill

widerlegt
Behauptung: Was nach Abzug der Selektivität übrig bleibt, trägt die Härte. Über sieben Klassen liegen alle drei polynomiellen über allen vier NP-harten — p ≈ 0.03 im exakten Abzähltest.

Sieben Datenpunkte, und die Form des Fits war nachträglich gewählt. Also vorher registriert und an einem sauber gematchten Paar geprüft: Horn-3-SAT hat dieselbe Arität und dieselbe Selektivität wie 3-SAT, ist aber polynomiell lösbar. Wenn das Residuum Traktabilität trägt, muss β(Horn) > β(3-SAT) sein.

Vorregistrierter Test bei p_kill = 1/8, n = 16. Horn-3-SAT liegt bei 0.369, 3-SAT bei 0.574 — Intervalle disjunkt, Richtung umgekehrt.

Die Vorhersage ist nicht knapp gescheitert, sondern invertiert. Die Residuen-Trennung war ein 1-aus-35-Zufall.

Instrument

Der Lösungsraum, exakt

Nahe der Schwelle ist die Lösungsmenge klein genug, dass ein DPLL sie vollständig als disjunkte Teilwürfel ausgeben kann. Daraus lässt sich exakt gleichverteilt ziehen — kein Solver, keine Verzerrung. Gegen Brute Force verifiziert, χ²/df = 1.11.

Was man dann sehen kann: die echten Cluster, definiert als Zusammenhangskomponenten unter Ein-Bit-Sprüngen innerhalb der Lösungsmenge. Unten die beiden Räume, vollständig aufgezählt, auf drei Hauptkomponenten projiziert.

ziehen zum Drehen
MASS 06

Mehrheitsabschluss, gleichverteilt gezogen

erklärt
Lösungstripel sind weit häufiger mehrheitsabgeschlossen als der Unabhängigkeitsmassstab (1 − 6/343)^m erwarten lässt — Faktor 20 bis 290. Kein Teilwürfel-Artefakt: Gleich-Würfel-Anteil 0.000, und der Effekt überlebt, wenn alle drei aus verschiedenen Würfeln stammen müssen.

Erklärt ist er trotzdem. Ein Modell, das nur drei Punkte um ein gemeinsames Zentrum streut — auf die gemessene Hamming-Distanz, ohne jede Lösungseigenschaft — trifft die Rate. In zwei von sechs Zeilen exakt, sonst überschätzt es sie sogar. Echte Lösungsmengen sind eher weniger mehrheitsabgeschlossen als unkorrelierte Punkte gleicher Streuung.

Jede Linie ein Messpunkt. Der Abstand zum Unabhängigkeitsmassstab ist gross, der zum Korrelationsmodell verschwindet.

Geometrisch sieht das so aus: drei gleichverteilt gezogene Lösungen und ihr Mehrheitspunkt, in der Ebene der ersten beiden Hauptkomponenten.

Grau die Lösungswolke. Grün, wo der Mehrheitspunkt selbst Lösung ist, rot wo nicht.
MASS 07

Solver-Verzerrung beim Backbone

eigene Behauptung widerlegt
Behauptung war: probSAT überschätzt den Anteil eingefrorener Variablen, weil es im grössten Cluster hängen bleibt. Beleg: Backbone 0.017 exakt gegen 0.117 aus probSAT.

Der Vergleich war ungleich — exakter Backbone über alle Lösungen gegen probSAT über zwölf. Bei zwölf Stichproben wirkt jede Variable mit schiefer Marginalverteilung eingefroren, unabhängig vom Sampler. Bei gleicher Stichprobenzahl überschätzt gleichverteiltes Ziehen in allen fünf Zeilen stärker als probSAT.

Bei je zwölf Lösungen. probSAT streut weiter (0.345 gegen 0.308 Hamming) und liegt deshalb näher an der Wahrheit.
REST

Wie viele Lösungen man wirklich braucht

brauchbar

Was von der widerlegten Behauptung übrig bleibt, ist eine Kalibrierung. Der Frozen-Schätzer ist bei kleiner Stichprobe massiv verzerrt, und wie stark, hängt fast vollständig davon ab, wie gross der Backbone tatsächlich ist.

Gestrichelt der wahre Backbone der jeweiligen Kurve. Kleine Backbones konvergieren selbst bei 1024 Lösungen noch nicht.

Ein gemessener Frozen-Wert von 0.2 aus zwölf Lösungen ist mit einem wahren Backbone von 0.04 genauso vereinbar wie mit 0.15. In dem Bereich ist der Schätzer fast informationsfrei.

Bilanz

Was bleibt

HÄLT

Die Limitation ist eine Grösse

Rund die Hälfte der gezogenen Bits ist Formatzwang, nicht Freiheit. Über vier Klassen zwischen 44 und 58 Prozent. Der Raum, in dem sich der Zufall bewegen darf, ist präzise beziffert.

HÄLT

ρ misst Struktur ohne Clustering

Die effektive Zahl unabhängiger Lösungen fällt direkt aus der Verträglichkeitsgeometrie, ohne dass man den Lösungsraum durchsuchen müsste. Am bekannten Fall NAE-3-SAT auf drei Stellen geeicht. Das ist ein Instrument, unabhängig davon, dass die Hypothese darüber gescheitert ist.

HÄLT

Die Struktur ist generatorunabhängig

Mersenne Twister, Kongruenzgenerator und SHA-Stream liefern identische Ensemble-Kennzahlen. Was gemessen wird, gehört dem Format, nicht der Zufallsquelle.

HÄLT

Ein verifizierter gleichverteilter Sampler

DPLL-Würfelzerlegung, exakt gegen Brute Force geprüft, χ²/df = 1.11. Läuft bis n ≈ 100 nahe der Schwelle und liefert die vollständige Lösungsmenge samt echter Cluster — ohne Solver, ohne Verzerrung. Das ist ein Instrument, unabhängig davon, dass zwei Hypothesen daran gestorben sind.

VORSICHT

Frozen-Schätzer aus wenigen Lösungen sind unbrauchbar

Bei wahren 0.042 überschätzt man mit acht Lösungen um das Neunfache und liegt selbst mit 1024 noch 20 % daneben. Der Fehler ist ein Stichprobeneffekt und trifft jeden Sampler, nicht nur lokale Suche.

FÄLLT

Die Struktur trägt die Härte nicht

Vier Kandidaten, vier Mal keine Trennung zwischen polynomiell und NP-hart. Was das Encoding erzwingt, ist Selektivität — wie viele Belegungen ein einzelnes Constraint tötet. Berechenbarkeit steckt nicht darin.

OFFEN

Nicht-uniforme Variablenwahl

Der einzige überlebende Faden vom Vortag: bei unverändertem α deutlich härter, 0 von 12 im Budget. Der Schwellen-Confound ist ungeprüft — dieselbe Kontrolle, die die Vorzeichen-Titration gekippt hat, steht dort noch aus.